Auch Babynahrung kann Acrylamid enthalten
Berlin/Leipzig (dpa) - Auch Babynahrung kann das Krebs erregende Acrylamid enthalten. Darauf hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hingewiesen. Allerdings sei in den meisten Komplettmahlzeiten und selbst zubereiteten Kindernahrungen sehr wenig Acrylamid gefunden worden. Ausnahmen bildeten jedoch manche Keksprodukte.
Das ARD-Magazin «Plusminus» hat neun Gemüse- und Kartoffelbreie und sechs Kinderkekse von acht Herstellern untersuchen lassen. Die für «Plusminus» getesteten Babybrei-Gläschen enthielten demnach 4 bis 34 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Brei, bei den Keksprodukten schwankte die Konzentration zwischen 20 und 400 Mikrogramm pro Kilogramm. Dem ARD-Magazin zufolge kann bei einem achtmonatigen Baby bereits ein Gläschen von manchem Brei zu einer Acrylamid- Konzentration im Körper führen wie sie bei Erwachsenen beobachtet wird. Auch das BfR betonte, durch Keks- Produkte mit hohen Konzentrationen könne ein Kleinkind im ungünstigsten Fall so viel Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen wie ein hoch belasteter Erwachsener.
Das BfR appellierte an alle Hersteller, den Acrylamid-Gehalt ihrer Produkte so schnell wie möglich und so weit wie möglich zu senken. Die große Zahl der Produkte zeige, dass es möglich sei, Baby- und Kleinkindnahrung mit geringen Acrylamidgehalten herzustellen. Soweit der Acrylamid-Gehalt bekannt sei, sollten Eltern auf gering belastete Produkte ausweichen, empfahl das Institut. Für die Nennung der Produktnamen fehle nach Auffassung des Bundesverbraucherministeriums derzeit allerdings die rechtliche Grundlage.
Acrylamid entsteht beim Backen, Rösten und Braten stärkehaltiger Lebensmittel wie Kartoffelchips, Keksen und Knäckebrot. Im Tierversuch wirkt der Stoff Krebs auslösend und Erbgut schädigend. Das genaue Risiko für den Menschen lasse sich noch nicht sicher abschätzen, betonte das BfR. Es gebe aus heutiger Sicht jedoch keinen Grund, an einem Krebsrisiko auch für Menschen zu zweifeln. Das Schutzniveau für Kinder sollte grundsätzlich besonders hoch angesetzt werden. Acrylamid ist vermutlich schon immer in entsprechenden Nahrungsmitteln enthalten gewesen, wurde jedoch erst im April dieses Jahres entdeckt.
