Cholesterinsenker nützen allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen
Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten generell cholesterinsenkende Medikamente bekommen nicht nur Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten. Das fordern britische Wissenschaftler nach einer Studie an 20.000 Patienten. Wie Rory Collins von der Universität Oxford in der Fachzeitschrift "Lancet" (Ausgabe vom 6. Juli) berichtet, könnten so genannte lipidsenkende Statine das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen um etwa ein Drittel senken.
Die Mediziner hatten in ihrer Studie fünf Jahre lang Patienten beobachtet, denen Statine verabreicht wurden. Nach der bisherigen medizinischen Praxis wären diese Patienten nicht unbedingt mit cholesterinsenkenden Präparaten behandelt worden. Dabei zeigte sich, dass die Präparate ihre positive Wirkung auch bei Patienten mit normalem oder niedrigem Cholesterinspiegel entfalten. "Die eindeutige Botschaft dieser Studie ist: Das Risiko behandeln, nicht den Cholesterinspiegel", kommentiert Charles George von der britischen Herzgesellschaft das Ergebnis.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in vielen Industrienationen die Haupttodesursache. Die Forscher haben hochgerechnet, dass die generelle Gabe von Statinen an Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen weltweit jährlich Zehntausenden von Menschen das Leben retten könnte. Für eine Behandlung mit Statinen spreche auch, dass dem behandelnden Arzt sowohl der Wirkstoff als auch die Risikopatienten aufgrund ihrer bisherigen Krankengeschichte bereits bekannt seien, argumentieren die Mediziner.
Als Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden allgemein Erkrankungen des Herzens oder des Gefäßsystems bezeichnet. Todesursache ist meist ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Herzinfarkt beruht auf dem Absterben von Herzmuskelgewebe: Sauerstoffreiches Blut kann durch einen längeren Verschluss der Herzkranzgefäße den Muskel nicht mehr ausreichend versorgen. Ursache eines Schlaganfalles ist das Absterben von Nervengewebe, hervorgerufen in der Regel durch den Verschluss von Kopfarterien. Beide hängen oft mit einem Thrombus zusammen, der die entsprechenden Gefäße verstopft. Ein Thrombus kann sich an Ort und Stelle bilden, oder erst in Form eines wandernden Gerinnsels über den Blutstrom zu Herz oder Gehirn gelangen
