Robert Koch-Institut warnt vor HIV-Anstieg
Berlin (dpa) - Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) befürchtet eine Zunahme von Aids-Infektionen in Deutschland. Ursache dafür sei die nachlassende Furcht vor der Krankheit und der Irrglaube, Aids sei heilbar, sagt Ulrich Marcus vom RKI im Vorfeld des Kongresses «HIV im Dialog» vom 9. bis 11. August in Berlin.
Die nachlassende Furcht vor Aids und die daher geringere Nutzung von Kondomen führten nach RKI-Angaben bereits zu einer deutlichen Zunahme der sexuell übertragbaren Krankheit Syphilis auf das Anderthalbfache vom ersten Halbjahr 2001 zum Vergleichszeitraum 2002. Laut Robert Koch-Institut gab es im Jahr 2001 in Deutschland rund 2000 HIV-Neuinfektionen.
Betroffen waren zu rund 40 Prozent homosexuelle Männer und zu 21 Prozent Menschen aus Ländern, in denen Aids stark verbreitet ist. Darüber hinaus steckten sich 12 Prozent der Betroffenen durch heterosexuelle Kontakte an und 7 Prozent durch gemeinsame Spritzbestecke beim Drogenkonsum. Die Ursachen für die größere Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten sieht das RKI in mehr ungeschützten Sexualkontakten als in den 80er und 90er Jahren sowie einer steigenden Zahl von Sexualpartnern.
Die Berliner Aids-Hilfe befürchtet darüber hinaus den Re-Import von Aids aus Osteuropa in die EU-Länder. In der Ukraine gibt es Schätzungen zufolge bereits mehr als 500 000 Infizierte, in Estland stieg die Zahl der HIV-Infektionen in einem Jahr um rund 400 Prozent, in der Russischen Föderation verdoppelte sie sich. Übertragen wird die Krankheit in Osteuropa zumeist durch Drogen-Spritzbestecke.
In Berlin hat die Zahl der HIV-Neuinfektionen nach Angaben des niedergelassenen Arztes Bernhard Bieniek bereits deutlich zugenommen. Ermittelte ein Labor für Berliner HIV-Schwerpunktpraxen bisher rund 10 bis 15 HIV-Neuerkrankungen im Quartal, seien es im vergangenen halben Jahr rund 90 Fälle gewesen, sagte Bieniek.
In Deutschland sind nach RKI-Angaben zurzeit rund 40 000 Menschen mit dem Aids-Virus infiziert, bei rund 5 000 ist die Immunschwäche ausgebrochen. Trotz neuer Therapien und einer wachsenden Lebenserwartung ist Aids noch nicht heilbar.
