Infektionskrankheiten in Deutschland keineswegs ausgerottet

Berlin (dpa) - Viele Infektionskrankheiten sind in Deutschland weitgehend zurückgedrängt, doch keineswegs ausgerottet. Die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle verdoppelte sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts zwischen 2001 und 2002 sogar auf geschätzt 2200. Jedes Jahr stecken sich nach Expertenschätzungen rund 900 000 Patienten in einem Krankenhaus Deutschlands mit einer Infektionskrankheit an.

Auf dem Jahreskongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Berlin äußerten sich am Donnerstag zahlreiche Mediziner auch über weitere Krankheiten besorgt. Die Zahl der eingeschleppten Malariafälle stieg auf mehr als 1000. Trotz Aufrufen zur Impfung erkrankten knapp 5000 Menschen im vergangenen Jahr an Masern.

Die generelle Gefahr, im Krankenhaus nicht gesund, sondern zusätzlich infiziert zu werden, sei nie ganz auszuschließen, sagte Kongresspräsident Hartmut Lode von der Lungenklinik Berlin- Heckeshorn. Harnwegsinfektionen und Lungenentzündungen seien die häufigsten der so genannten nosokomialen Infektionen. Schätzungsweise 900 000 derartige Zusatzerkrankungen kommen unter den jährlich 15 Millionen stationär Aufgenommenen vor, vor allem in der Intensivmedizin.

Zur besseren Bekämpfung von Tropenkrankheiten haben mehrere europäische Staaten das «TropNetEurope» gegründet. Darin unterrichten sie sich gegenseitig über das Auftreten dieser Krankheiten in Europa, wie Ulrich Bienzle, Leiter des Tropeninstituts Berlin, berichtet. Beispielsweise wurden in Norditalien Malariafälle bei Chinesen entdeckt, die sich in Westafrika angesteckt hatten. Bienzle warnte davor, dass Reisende Malariamittel «zur Sicherheit» mitnehmen, statt sich vorher impfen zu lassen.

Ein Schwerpunkt auf dem dreitägigen Kongress mit 1700 Fachärzten aus Deutschland und Österreich ist die Verbreitung von Aids. Eine zusätzliche Gesundheitsbedrohung komme in diesem Fall aus dem östlichen Ausland. «50 000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Russland neu mit HIV angesteckt, so viel wie in Deutschland in 20 Jahren zusammen», warnte Frank-Detlef Goebel von der der Universität München. Mangelhafte Aufklärung und das Fehlen von Medikamenten gingen dabei oft Hand in Hand.

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