Wie Wanzenkraut gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren hilft
Heilung aus dem Morgenland - Weihrauch
Stern 50/99 vom 09.12.1999, Seite 210/211; Heim und Welt 50/99 vom 08.12.1999, Seite 55
Die Heiligen Drei Könige brachten Weihrauch einst als Geschenk nach Bethlehem. Einige Jahrhunderte später trat er seine Karriere als wohlriechendes religiöses Requisit der Christen an. Nun hat Weihrauch auch Einzug in die Labors und Hospitäler der westlichen Welt gehalten.
Das Räuchern mit Weihrauch hat nicht nur religiöse Hintergründe, sondern wird zur Desinfektion und Reinigung der Luft eingesetzt. In asiatischen und arabischen Ländern schützt der Geruch vor Malaria, indem er Moskitos vertreibt. Grund dafür sind die Inhaltsstoffe wie Harz, Naturgummi, Bitterstoffe, ätherisches Öl und spezielle Säuren. Dazu gehört auch die Boswelliasäure, die aus dem Räucherharz ein wirksames entzündungshemmendes und schmerzlinderndes Heilmittel machen soll.
In Indien werden mit Weihrauch beispielsweise Arthritis, Rheuma und Gicht therapiert. Allerdings gibt es bei Salai guggal, einem Extrakt aus dem indischen Weihrauchbaum, Nebenwirkungen wie Hautrötung und -trockenheit.
Bei Forschungen an der Universität Tübingen über Leukotriene wurde auch Weihrauch untersucht. Leukotriene sind Stoffe, die von den weißen Blutkörperchen bei einer Entzündung gebildet werden. Medikamente wie Salicylsäure und Cortison hemmen die Leukotrien-Synthese. Die Entzündungskaskade wird gestoppt. Das befallene Gewebe, beispielsweise bei Rheuma in der Gelenkkapsel oder bei chronisch entzündlichen Darmschleimhautentzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, kann sich erholen und verheilt.
Auch Weihrauch wurde auf die Leukotriene angesetzt. Die darin enthaltenen Boswelliasäuren blockierten bei den Versuchen das Enzym 5-Lipoxygenase, einen Katalysator der Leukotrien-Synthese. Um die Erfolge aus dem Labor in der Praxis zu testen, waren klinische Studien notwendig, die anfangs auf Ablehnung stießen. Doch der Internist Henning Gerhardt, Spezialist für chronische entzündliche Darmerkrankungen, verabreichte Morbus-Crohn-Patienten im Uniklinikum Mannheim den Boswelliasäuren-Extrakt "H 15".
Gerhardt betont, dass bei dem größten Teil der Patienten eine deutliche Besserung der Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Schmerzen oder Durchfall erzielt werden konnte. Bundesweit haben bislang mehr als tausend Darmkranke von Weihrauch profitiert.
Mittlerweile sind auch Neurochirurgen auf Weihrauch aufmerksam geworden. Bei bösartigen Hirntumoren waren Ödeme besonders problematisch, weil die Flüssigkeitsansammlung um den Tumor auch gesundes Hirngewebe zerquetscht und zerstört. Schuld sind wieder die Leukotriene, die die Blutgefäßwände durchlässig machen und somit die Blut-Hirn-Schranke zerstören.
An der Uniklinik Gießen wurde "H 15" an 29 Patienten mit aggressiven Hirntumoren erprobt. Bei der höchsten Dosierung bildete sich das Ödem um ein Drittel zurück, auch bei der mittleren war noch eine Verringerung um ein gutes Zehntel messbar. Die operative Entfernung des verkrebsten Gewebes gelang angeblich leichter, die Überlebenschancen der Patienten wurden verbessert. Allerdings gab es bei der niedrigsten Dosierung keinerlei Effekte.
Der Pharmakologie-Professor Hermann Ammon, der die Weihrauch-Forschung ins Rollen brachte, ist angeblich schon einen Schritt weiter: Im Reagenzglas bombardierte er bestimmte Hirntumorzellen mit Boswelliasäuren - eine scheinbar tödliche Mischung für die Krebszellen. "Durch den Weihrauch wurde offensichtlich der programmierte Zelltod der Tumorzellen ausgelöst", so Ammon.
Allerdings ist noch fraglich, ob der "Killereffekt", der sich im Reagenzglas zeigt, auch auf Krebserkrankungen beim Menschen übertragbar ist.
Während auf der einen Seite die verschiedenen Formen von Weihrauch - z.B. in Form von Kristallen zum Räuchern, als ätherisches Öl, als Extrakt H 15 (der allerdings bestellt werden muss) oder ganz neu als Tropfen zum Einnehmen aus der Apotheke - empfohlen werden, warnt Prof. Ammon eindringlich vor falschen Hoffnungen. Er prangert Scharlatane und Geschäftemacher an. Was da als homöopathische Streukügelchen, Tropfen, Nahrungsergänzung oder Mobilmacher auf den Markt kommt, hält Ammon für "kriminell". Er betont: "Bei zu niedriger Dosierung und falscher Zusammensetzung kann die Leukotrienkaskade sogar aktiviert werden. Das kann im Extremfall lebensgefährlich sein."
Andererseits wird Weihrauch als Rheumamittel angepriesen sowie als wirksames Mittel bei Darmentzündung, Venenthrombose oder Schuppenflechte. Hilfreich sollen die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften sein.
Zur Selbsthilfe wird in "Heim und Welt" folgendes Rezept angeraten: Ein bis fünf Tropfen Öl werden in warmes Wasser gegeben und zum Gurgeln genutzt. Dies soll Mandel- und Rachenentzündungen bessern sowie Karies hemmen. Gesichtsreinigung mit Weihrauch wirkt angeblich bei Akne und ein Dampfbad soll Husten lösen.
