Alarmierende Zahlen zum Welt-Aids-Tag
Hamburg (dpa) - Benefiz, Demos und drastische Appelle: Zum Welt-Aids-Tag haben am Sonntag Länder und Institutionen rund um den Globus zum Kampf gegen die Immunschwächekrankheit und gegen Diskriminierung aufgerufen. «Die Anzahl der Aids-Toten steigt weiter dramatisch», warnte die EU-Kommission in Brüssel. In vielen deutschen Städten sammelten Freiwillige, oft mit prominenter Unterstützung, Geld zu Gunsten von Aids-Opfern und HIV-Infizierten. Viele Menschen trugen als Zeichen der Solidarität die kleine rote Schleife am Revers.
Allein in Berlin gab es zum Welt-Aids-Tag mehr als 50 Veranstaltungen. Bei einer Straßensammlung baten am Samstag Prominente wie die Schauspieler Barbara Schöne und Wolfgang Völz und TV-Moderatorin Kim Fisher um Spenden. Der Fernsehsender SAT.1 lud zu einer Aids-Gala mit Hape Kerkeling. Spendengelder für den Kampf gegen Aids zu bekommen, scheint aber immer schwieriger zu werden - dieses Ergebnis zeichnete sich bei der Straßensammlung in Berlin ab. In Dortmung kamen bei einer Gala rund 50 000 Euro zusammen.
Die Toleranz gegenüber Menschen mit Aids und HIV ist nach Ansicht von Maya Czajka vom Bundesvorstand der deutschen Aids-Hilfe zudem ausgesprochen «brüchig». Das habe eine Untersuchung ergeben, bei der 63 Hotels befragt wurden, ob sie eine Reisegruppe mit HIV-Infizierten aufnehmen würden. Dabei habe jedes vierte Hotel negativ reagiert. Sie gaben entweder gar keine Rückmeldung oder waren nur mit Einschränkungen zu einer Aufnahme bereit, 7 der 63 Hotels hätten die Anfrage komplett abgelehnt.
In Deutschland leben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts fast 40 000 mit HIV infizierte Menschen. 5000 von ihnen seien an Aids erkrankt. Weltweit werden Ende 2002 nach UN-Angaben 42 Millionen Menschen das Aidsvirus in sich tragen.
China beging den Welt-Aids-Tag mit einer Aufklärungskampagne und der ersten offiziell genehmigten Hochzeit einer HIV-infizierten Frau. Die als verspätet kritisierten Bemühungen sind eine Abkehr von der lange vorherrschenden Ignoranz und Unkenntnis über die Immunschwächekrankheit in dem Land. Die Regierung rechnet damit, dass es bis zum Jahr 2010 mehr als 10 Millionen Infizierte geben könnte. US-Schätzungen sprechen schon von 10 bis 20 Millionen.
In Südafrika demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie zu Gunsten von Aids-Opfern. Am Sonntagabend sollte eine Kerzenaktion die Solidarität mit den Opfern symbolisieren. Der Kap-Staat ist mit rund fünf Millionen HIV- Infizierten eines der am schwersten betroffenen Länder der Welt. Vor diesem Hintergrund wird der Platz auf den Friedhöfen eng: Die Behörden in Johannesburg erwägen angeblich sogar die senkrechte Beerdigung von Toten.
Auch aus anderen Regionen der Welt kamen alarmierende Nachrichten: In Kambodscha könnte sich die Zahl der Aids-Toten bis zum Jahr 2010 deutlich mehr als verdoppeln, wenn nicht ausreichend Medikamente zur Behandlung der Immunschwäche bereit stehen. Das Land hat die höchste HIV-Infektionsrate in Asien. Aids-Aufklärer in Indien forderten Lastwagenfahrer und Prostituierte zur Benutzung von Kondomen auf.
In reichen Ländern wie der Schweiz gehen die Bemühungen um Aufklärung und Toleranz weiter: 20 Jahre nach der Entdeckung von Aids bestünden noch immer viele Vorurteile, kritisierte das Bundesamt für Gesundheit in Bern.
