Diabetes
Symptome
Haupttypen von Diabetes
Was Sie tun können
Was Ihr Arzt tun kann
Vorbeugung
Diabetes mellitus (im Volksmund Zuckerkrankheit genannt) stellt die am häufigsten auftretende Stoffwechselstörung beim Menschen dar. In der Bundesrepublik sind 2-3% der Bevölkerung daran erkrankt. Zucker bzw. Traubenzucker (Glucose) gehört zu den Kohlenhydraten und ist zum einen ein wichtiger Energielieferant und zum anderen ein Baustein zahlreicher körpereigener Substanzen. Den größten Teil der Kohlenhydrate nimmt der Mensch in Form von Stärke (z.B. in Getreide, Kartoffeln, Reis) zu sich, die dann bei der Verdauung zu Glucose abgebaut wird. Weitere wichtige Kohlenhydratlieferanten sind Rohrzucker, Milchzucker und das im Fleisch enthaltene Glykogen. Die Glucosekonzentration im Blut beträgt normalerweise 0,6-1g/l. Bei erhöhtem Energiebedarf (z.B. Sport, körperliche Arbeit) sorgt ein körpereigenes Steuersystem dafür, daß dieser Spiegel nicht zu stark absinkt. Bei einer stärkeren Zufuhr von Kohlenhydraten steigt der Glukosespiegel vorübergehend an. Die Senkung des Blutzuckerspiegels wird vor allem durch Insulin bewirkt. Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Es bewirkt, daß die Zellen ihre Schleusen für Zucker öffnen. Ist die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage, ausreichend Insulin zu produzieren oder kann das Insulin durch Veränderungen an den Zellen seine Aufgabe nicht mehr erfüllen, gelangt die Glukose nicht mehr in die Zellen. Somit leiden die Zellen unter Glukosemangel, während der Zuckerspiegel im Blut ansteigt und überschüssiger Zucker im Harn ausgeschieden wird.
Folgende Symptome können bei Diabetes auftreten:
- Übermäßiger Durst und große Harnmengen. Die Ausscheidung von Zucker bewirkt, daß stets große Mengen Wasser mit ausgeschieden werden. Der Flüssigkeitsverlust führt zu einem starken Durstgefühl.
- Gewichtsabnahme und Schwäche. Der fehlende Zucker in den Zellen wird durch den verstärkten Abbau von Eiweiß und Fetten ausgeglichen, was zu einer Gewichtsabnahme und Schwäche durch Eiweißmangel führen kann.
- Neigung zu Haut-, Schleimhaut- und Zahnfleischerkrankungen und Juckreiz.
- Im schlimmsten Fall kommt es zu einem diabetischen Koma mit beschleunigter Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starkem Durstgefühl und schließlich Bewußtlosigkeit Die Ausatemluft riecht als Folge des vermehrten Fettabbaus nach Aceton.
Folgende Spätkomplikationen sind zu befürchten:
- Gefäßleiden. Durch vermehrte Ablagerung von Zucker- und Fettstoffen (siehe auch Arterienverkalkung) in den kleinen und großen Gefäßen kommt es zu arteriellen Durchblutungsstörungen. Es besteht z.B. auch die Gefahr eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles.
- Diabetische Netzhauterkrankung (Retinopathie). Aufgrund der diabetischen Gefäßerkrankung entsteht eine Durchblutungsstörung der Netzhaut. Es kann zu Blutungen und zur Neubildung von Gefäßen und schließlich zur Einschränkung des Sehvermögens bis zur Blindheit kommen. Außerdem erkranken Diabetiker häufiger am Grauen Star (Siehe dort) und am Grünen Star (Siehe dort).
- Störungen des Nervensystems (Neuropathie). Die Nerven werden weniger empfindlich für Reize, was sich zunächst in einem Kribbeln oder Brennen in den Händen oder Füßen bemerkbar machen kann. Leichte Verletzungen (z.B. beim Schneiden der Fußzehen) werden nicht mehr gespürt und heilen schlecht ab. Es können sich unbemerkt Geschwüre bilden, die Gewebe und Knochen zerstören.
- Nierenschäden durch Veränderungen der kleinen Gefäße in der Niere, bis hin zu Nierenversagen und Dialysepflicht.
- Potenzstörungen bei Männern.
Es gibt folgende Haupttypen von Diabetes
Der Diabetes mellitus wird nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vereinfacht in drei Untergruppen eingeteilt:
Diabetes mellitus
Typ 1: Insulinabhängig 10 Prozent der Diabetiker; Ursache ist ein absoluter Mangel an Insulin, hervorgerufen entweder durch eine Störung im Abwehrsystem des Körpers und/oder durch Viren.
Typ 2: Insulinunabhängig( - abhängig )
- ohne Übergewicht (8 Prozent der Diabetiker)
- mit Übergewicht (80 Prozent der Diabetiker)
Ursache ist eine Störung der Insulinwirkung an den Zellen; diese "Insulin-Unempfindlichkeit" der Zellen wird durch Übergewicht gefördert.
Diabetes mellitus bei oder durch andere Erkrankungen:
- der Bauchspeicheldrüse (erst wenn 90% des Organs zerstört ist)
- hormonell bedingte Erkrankungen
- durch Medikamente (Kortison, "Pille", Diuretika, Schilddrüsenhormon-Präparate, Medikamente mit Wirkung auf das Zentralnervensystem)
- erbliche Veranlagung (bei genetischer Veranlagung führt Übergewicht zur "Insulin-Überempfindlichkeit")
Schwangerschaftsdiabetes
Umstellung von oralen Medikamenten auf Insulin, strenge (!) Blutzuckereinstellung bereits bei Kinderwunsch.
Eine dauerhaft gute Stoffwechseleinstellung mit möglichst normalen Blutzuckerwerten ist das Ziel der Diabetes Therapie und nach heutigem Wissensstand eine wichtige Voraussetzung dafür, das Risiko für diabetesspezifische Komplikationen zu vermindern (u.a. Arterienverkalkung, Nierenversagen, Augenveränderungen, Nervenstörungen).
Gut eingestellt mit Diät, oralen Medikamenten(Antidiabetika) oder Insulin ist ein Diabetiker, wenn er nach dem Stich in die Fingerbeere mit dem Teststäbchen folgende Werte mißt:
Nüchtern nach dem Essen
Diät und/oder orale Antidiabetika: unter 120 mg/dl unter 160 mg/dl
Insulin (Erwachsene) unter 140 mg/dl unter 180 mg/dl
Insulin (Kinder) unter 160 mg/dl unter 200 mg/dl
Verminderte Blutglucosespiegel (Hypoglykämie) findet man bei: - Neugeborenen - Überschießender Diabetes-Therapie - Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen - Hormonell bedingte Erkrankungen - Tumoren (Leberkarzinom) - Alkoholkonsum auf nüchternen Magen - Arzneimittel: Antikoagulantien ("Blutverdünnungsmittel"), Antiphlogistika ("Entzündungshemmer"), Salicylate (Acetylsalicylsäure)
- Als Diabetiker sollten Sie sich streng an die Anweisungen Ihres Arztes halten.
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Zucker im Urin oder Blut. Mit speziellen Teststreifen, die Sie in der Apotheke erhalten, können Sie den Zuckergehalt im Urin bestimmen (z.B. Glucotest). Dazu halten Sie etwa eine Stunde nach dem Essen den Teststreifen in den Urin und vergleichen ihn mit einer Farbskala. So können Sie den Harnzuckergehalt direkt ablesen. Solche Teststreifen gibt es auch für Fingerkuppenblut (z.B.Glucostix), das Sie mit einem speziellen Stichgerät (z.B. Autoclix) leicht entnehmen können. Um genauere Werte zu erhalten, gibt es auch Geräte, die spezielle Teststreifen auswerten und einen Zahlenwert angeben (z.B.Reflolux).
- Übergewichtige Diabetiker sollten ihr Gewicht mit einer kohlenhydratarmen Diät reduzieren. Häufig gehen die Blutzuckerwerte und die damit verbundenen Beschwerden nach erfolgreicher Diät deutlich oder sogar vollständig zurück.
- Unter- oder normalgewichtige Diabetiker sollten sich kalorienreich, aber zuckerfrei ernähren.
- Das Essen sollte auf mindestens sechs kleine Mahlzeiten am Tag verteilt werden, da so das Insulin besser ausgenutzt werden kann.
- Speisen oder Getränke, die mit Zucker gesüßt sind, sollten gemieden werden. Zum Süßen können Zuckeraustauschstoffe (Fructose, Sorbit, Xylit) oder Süßstoffe (z.B. Saccharin) verwendet werden. Diese werden auch zur Herstellung der Diabetiker-Süßwaren verwendet.
- Als Alkoholika können trockene Weine oder Diätbiere getrunken werden. Süße Getränke und normales oder alkoholfreies Bier sollten wegen des Zuckergehaltes gemieden werden.
- Körperliche Aktivität trägt dazu bei, daß der Zucker direkt und mit geringem Insulinbedarf aus dem Blut in den Muskelzellen verbraucht wird. Durch viel Bewegung kann also der Bedarf an Medikamenten oder Insulin gesenkt werden.
- In speziellen Diabetikerschulungen können Sie den richtigen Umgang mit der Krankheit erlernen.
- Um Unterzuckerungszustände (Siehe oben) zu vermeiden, sollte stets ein Stück Brot oder Traubenzucker bereitgehalten werden.
- Wenn Sie plötzliches starkes Durstgefühl verspüren oder andere der oben aufgeführten Beschwerden aufweisen.
- Wenn Sie übergewichtig sind und es Diabetiker in Ihrer Familie gibt.
- Wenn bei Ihnen ein Zuckertest, den Sie z.B. in der Apotheke erhalten, positiv ausfällt.
- Beim Auftreten eines Coma diabetikum (Siehe oben).
- Bei starken Unterzuckerungszuständen (Siehe oben).
- Diabetiker sollten regelmäßig, mindestens einmal pro Jahr, zum Augenarzt gehen.
- Zuckerkranke müssen bei schlecht heilenden Wunden, besonders im Fußbereich, einen Arzt aufsuchen.
Was Ihr Arzt tun kann
- Bei einer Kontrolle des Blutzuckers kann der Arzt feststellen, ob ein Diabetes mellitus vorliegt. Dabei liegen die Grenzwerte im nüchternen Zustand bei ca.140mg/dl Plasma und ca. eine Stunde nach dem Essen bei 160-180mg/dl. Bei Werten, die knapp darunter liegen, kann der Arzt einen sogenannten Glucosetoleranztest durchführen. Dabei wird gemessen wie hoch der Blutzuckerspiegel zwei Stunden nach der Einnahme von 75g Zucker liegt.
- Bei übergewichtigen Diabetikern rät der Arzt zunächst, durch Gewichtsreduktion den Blutzuckerspiegel zu senken.
- Bei erfolgloser Diät können blutzuckersenkende Medikamente verordnet werden. Die sogenannten Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid) steigern unter anderem die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Biguanide (Metformin) steigern die Insulinempfindlichkeit und verbessern die Nutzung der vorhandenen Glukose, während sie die Aufnahme und Neubildung von weiterer Glukose hemmen. Acarbose (Glucobay) verzögert den Abbau des mit der Nahrung aufgenommenen Zuckers im Darm und reduziert damit die Menge der aufgenommenen Glukose.
- Ist mit den o.a. Medikamenten keine ausreichende Einstellung des Blutzuckers möglich, so muß der Patient mit Insulin behandelt werden. Typ I Diabetiker sind meist sofort auf eine Insulingabe angewiesen.
- Der Arzt ermittelt in der Einstellungsphase mit dem Patienten das geeignete Insulin und die benötigte Dosierung. Diese wird den täglichen Gegebenheiten (Essen, Betätigung, Krankheit etc. ) angepaßt und in der Regel durch mindestens viermal tägliches Zuckermessen überprüft. Insulin wird aus Rinder- oder Schweine-Insulin gewonnen oder gentechnologisch hergestellt. Dabei unterscheidet man Insuline, die sehr schnell wirken (sog. Altinsulin) und die Depot- oder Verzögerungsinsuline mit mittlerer oder längerer Wirkungsdauer. Insulin sollte im Kühlschrank gelagert werden. Kleine Mengen für den sofortigen Gebrauch können außerhalb des Kühlschrankes aufbewahrt werden. Das Insulin wird meist in den Bauch oder den Oberschenkel gespritzt. Die Dosierung und Anwendung kann durch moderne Injektions-Systeme (z.B. Novopen, Optipen und Berlipen), die ähnlich wie ein Füller aussehen, erleichtert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Insulinpumpe am Gürtel oder in der Hosentasche zu tragen, die über eine Nadel in der Bauchdecke in bestimmten Abständen Insulin abgibt.
- Der Arzt führt eine Reihe von regelmäßigen Untersuchungen des Stoffwechsels (Blut, Harn etc.) und der Nerven durch, um eventuelle Komplikationen oder eine schlechte Zucker-Einstellung rechtzeitig zu erkennen.
- Der Augenarzt untersucht regelmäßig den Augenhintergrund, um eine diabetische Netzhauterkrankung frühzeitig zu erkennen und z.B. mit Laser zu behandeln. Auch die regelmäßige Messung des Augeninnendruckes, um ein entstehendes Glaukom (Siehe auch Grüner Star) rechtzeitig zu erkennen, gehört zur Diabetiker-Untersuchung.
- Lassen Sie auch ohne Beschwerden ab und zu einen Zuckertest durchführen. Häufig wird gerade der Typ II Diabetes viel zu spät erkannt und behandelt.
Personen mit erblicher Belastung können den Ausbruch eines Typ II Diabetes verhindern oder zumindest hinauszögern, indem sie:
- Normalgewicht halten,
- sich körperlich betätigen,
- Alkohol nur in Maßen genießen
Das Ausbrechen eines Typ I Diabetes kann bisher durch geeignete Vorbeugung nicht verhindert werden.
Vorbeugung der diabetischen Folgeschäden
- Immer auf eine optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels achten. Unter- oder Überzuckerungen möglichst vermeiden.
- Möglichst nicht rauchen. Rauchen verschlimmert alle durchblutungsbedingten Erkrankungen.
- Gesunde Lebensweise mit regelmäßiger sportlicher Betätigung und gesunder, ausgewogener Ernährung.
- Diabetiker mit Nervenschädigung sollten regelmäßig zur Fußpflege für Diabetiker gehen oder ihre Füße selber sorgfältig pflegen und vor jeglicher Art von Verletzung durch geeignetes Schuhwerk
