MILZBRAND / ANTHRAX
Anthrax (griech.: Kohle, schwarz, auch "fressendes Geschwür"). Die Milz ist vergrößert und dunkel und sieht wie "verbrannt" aus.
Erreger
Bacterium anthracis (Familie Bacillaceae), grampositiv, stäbchenförmig.
Milzbrandsporen sind Dauerformen der Bakterien, die sich in Sauerstoffgegenwart bilden und wahrscheinlich 100 Jahre infektiös bleiben.
Die Sporen werden vermutlich noch als biologische Waffe von verschiedenen Staaten vorgehalten
Verbreitung
Ubiquitär, besonders in Tierzucht-Gegenden (praktisch alle Warmblüter können erkranken), vor allem in Zentral-Asien, Osteuropa, Afrika, Latein-Amerika, selten im Pazifik-Raum und Nordamerika. Primär bei Tieren, besonders den Herbivoren; Sehr seltenes Auftreten (außer in Gebieten mit mangelhafter Fleischbeschau), das auch vom Hygienestandard der Tierhaltung abhängig ist.
Ansteckungsmodus
Milzbrand tritt meist als Hautmilzbrand mit nur geringer Letalität auf. Gefährlich ist der Lungenmilzbrand. Milzbrand war bei Fleischern eine Berufskrankheit, gefährdet sind auch Berufe, die mit Fellen, Tierhäuten, Wolle (''Wollsortierkrankheit''), Knochenmehl beschäftigt sind.
Übertragung durch Kontakt mit Tieren (meistens Katzen) oder kontaminierten tierischen Produkten (auch Felle, Tierhäute, Wolle, Knochenmehl). Je nach Eintrittspforte des Erregers unterscheidet man den Hautmilzbrand, den primären Lungen- oder den Darmmilzbrand (s.u.).
- Hautmilzbrand (90-95% aller Meldungen): kleine Verletzungen der Haut
- Lungenmilzbrand: Inhalation sporenhaltigen Staubs oder Aerosolen.
-
Darmmilzbrand: Genuß kontaminierter und ungenügend gegarter tierischer Lebensmittel.
Inkubationszeit
2-7 Tage, im Durchnitt 48 Std., manchmal aber auch nur Stunden.
Immunität
meist dauerhaft.
Prophylaxe
- Aktive Impfung mit abgetöteten Erregern wird in einigen Ländern für bestimmte Risikogruppen empfohlen (nicht für Touristen!). In den USA werden Soldaten geimpft.
- Kontakt mit erkrankten Tieren, unsachgemäß produzierten Fleisch und Tierprodukten vermeiden, kontaminierte Produkte desinfizieren bzw. bei der Verarbeitung adäquate Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Atemschutzmasken); bei Lungenmilzbrand: Mundschutz für das Pflegepersonal.
- Vorschläge des CDC vom Oktober 2001 zur postexpositionelle Prophylaxe (wenn befürchtet wird, Milzbrandsporen bereits eingeatmet zu haben).
Die jeweiligen Medikamente werden oral über 60 Tage eingenommen (dies ist keine Anleitung zur Selbstmedikation, nur Ärzte können hier entscheiden!):
Ciprofloxacin 2x500 mg tgl. |
Doxycyclin 2x100 mg tgl. |
Amoxicillin 3x500 mg tgl. |
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Erwachsene |
1. Wahl |
1. Wahl |
1. Wahl |
Schwangere |
Normal nein |
Normal nein |
1. Wahl |
Senioren über 65 |
2. Wahl |
1. Wahl |
3. Wahl |
Kinder 9 Jahre und älter |
2. Wahl |
3. Wahl |
1. Wahl |
Kinder unter 9 |
2. Wahl und spezielle Dosierung: |
3. Wahl und spezielle Dosierung: |
1. Wahl und spezielle Dosierung: |
Soweit Medikamente für Personengruppen bevorzugt werden, sind diese durch 1., 2. und 3. Wahl gekennzeichnet.
Krankheitsbild
Die Milzbrandsepsis, die sich aus einer meist sehr schmerzhafte Lymphangitis entwickeln kann, mit Kreislaufversagen ist eine Komplikation aller Formen des Milzbrandes und endet fast immer tödlich.
- Hautmilzbrand
Nach 2-3 Tagen bildet sich an der Haut ein lokaler - nicht schmerzhafter - Infektionsherd, später mit dunklem Zentrum (schwärzlicher Schorf). Daraus entwickelt sich der Milzbrandkarbunkel (Pustula maligna), die umgebenden Hautregionen schwellen an. Von diesem Punkt aus kann es zu einer fortschreitenden Septikämie (Toxin-Freisetzung) mit hohem Fieber, Kreislauf- und Herzrhythmusstörungen kommen. Unter Umständen mit Absiedlung der Erreger in andere Organen wie z. B. den Meningen. - Lungenmilzbrand
Beginn wie eine plötzliche Infektion der oberen Luftwege, später Bronchopneumonie, hohes Fieber mit Schüttelfrost und blutiger Auswurf. Kann schon nach 24 Std. tödlich enden. - Darmmilzbrand
Sehr seltenes Vorkommen. Zunächst recht unspezifische Symptomatik mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen. Später blutige Diarrhöen, Beteiligung von Leber und Milz, häufig Übergang zu einer Bauchfellentzündung. In der Hälfte der Fälle tödliche Sepsis.
Diagnose
Erregernachweis (beim Kranken aus Bläschenflüssigkeit, Eiter, Blut, Stuhl, Sputum. Bei Leichen oder verdächtigen Schlachttieren aus Milz, Lunge, Darmschlingen u.a.) durch
- Mikroskopie (Gramfärbung),
- Kultur,
- Tierversuch und
- Serologie (seltenes Verfahren).
Therapie
- Unspez.: Schutzverband und Ruhigstellen des erkrankten Körperteils beim Hautmilzbrand. Durchfallpräparate, Schmerzmittel u.s.w.
- Keinesfalls chirurgische Manipulationen bei Hautmilzbrand, die Gefahr der Ausbreitung erhöht sich.
- Spez.: Benzyl-Penicillin in hoher Dosierung zu Beginn, später und bei Penicillin-Unverträglichkeit Tetracyclin c.v., z.B. Rolitetracyclin, Erythromycin, Chloramphenicol.
Wichtig ist gerade beim Hautmilzbrand ein möglichst früher Behandungsbeginn
Beim Darmmilzbrand ist die Prognose auch bei frühzeitiger Antibiotikagabe schlecht, d
